Methoden gesellschaftlichen Wandels

Gesellschaftlicher Fortschritt wird durch gemeinschaftliche Aktivitäten gefördert, die Disziplinen, Organisationen und Interessen verbinden. Diese positive und konstruktive Zusammenarbeit in komplexen Systemen ergibt sich nicht immer automatisch. Daher wurden Methoden entwickelt, mit denen das Verständnis füreinander gestärkt wird und neue Verbindungen entstehen können. Es werden Räume geschaffen, in denen Menschen zusammen kommen und eine andere Wahrnehmung von Gesellschaft möglich wird. Diese Methoden bewähren sich seit vielen Jahren in der Unternehmensberatung und Zukunftsforschung. Sie wurden entwickelt von Menschen wie Adam Kahane, Margaret Wheatley, David Cooperrider oder Marvin Weisbord
Unsere 10 Grundregeln des Fortschritts skizzieren die allgemeinen Prinzipien. Drei konkrete Methoden, mit denen wir im Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt bereits gute Erfahrungen gemacht haben sind:

1. Szenariomethode: Mit der in den 1950er Jahren am RAND-Institut entwickelten Methode wählt die Gruppe aus einer großen Zahl von Einflussfaktoren auf die Zukunft der jeweiligen Organisation die beiden wichtigsten und größten Unsicherheiten aus. Diese werden jeweils in einer hohen und einer niedrigen Ausprägung an ein Achsenkreuz geschrieben, woraus sich vier Kombinationen ergeben. Dann werden – unter Berücksichtigung der anderen Einflussfaktoren – vier in sich konsistente Geschichten entwickelt. Es findet ein gemeinsamer Lernprozess statt, in dem neue Zusammenhänge aufgedeckt, Annahmen hinterfragt und Unsicherheiten benannt werden. Der Wert der Szenariomethode liegt darin, dass man auf unterschiedliche Zukünfte vorbereitet ist und im Laufe der Zeit mit Hilfe ausgewählter Indikatoren vielleicht erkennen kann, auf welches Szenario (oder eine Kombination) man sich zu bewegt. Diese Methode haben wir bereits in Arbeitssitzungen zur Zukunft Frankfurts und zur Zukunft des Private Banking eingesetzt.

2. Zukunftskonferenz. Die von Marvin Weisbord und Sandra Janoff in jahrzehntelanger Arbeit immer weiter entwickelte Methode der Zukunftskonferenz (Future Search) folgt einem strengen Plan, der sich immer wieder als wirkungsvoll erweist. Hier arbeiten mehrere Interessengruppen (Stakeholder) an einer für alle relevanten Frage. Sie beginnt mit einem Blick in die Vergangenheit, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu ergründen. Dann werden die großen Trends der Gegenwart und ihre Auswirkungen auf die Kernfrage analysiert. Es folgt die Erarbeitung einer gemeinschaftlich geteilten Vision einer idealen Zukunft. Den Abschluss bilden konkrete Maßnahmen für jede Interessengruppe. Die größte Herausforderung liegt in der Vorbereitung der Zukunftskonferenz: die richtigen Personen auszuwählen und in einen Raum zu bringen ist harte Arbeit. Diese Methode haben wir in einem Visionsprozess „Deutschland 2040“ mit jüngeren Vertretern aus mehreren gesellschaftlichen Gruppen im Frühjahr 2013 eingesetzt.
3. Wertschätzendes Erkunden und Befragen: Die von Cooperrider und Whitney entwickelte Methode des „Appreciative Inquiry“ stellt die vorhandenen Stärken und positiven Potentiale in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zunächst wird erkundet, was wann besonders gut funktioniert hat. Dann wird ohne potentielle Restriktionen eine wünschenswerte Zukunft beschreiben. Aus dieser allgemeinen Vision werden in der vierten Phase konkrete Ziele abgeleitet. Und schließlich wird verbindlich festgelegt, wer was unternehmen wird, um diese Ziele zu erreichen. Diese Methode haben wir im Rahmen des Projekts Zukunftsmodell Soziale Marktwirtschaft mehrfach eingesetzt.

Weitere Methoden der Organisationsentwicklung sind World Cafe, Open Space, Visionierungsprozesse, Circle Practice und andere. Einen guten Überblick über viele Methoden liefern z. B. Art of Hosting, „Mapping Dialogue“, der „Facilitator’s Guide to Participatory Decision-Making“ oder auf Deutsch die „Werkzeuge des Wandels“ und das „Handbuch Großgruppenmethoden“. Die jeweils einzusetzende Methode hängt von Fragestellung, Teilnehmern, Zeitbudget und anderen Faktoren ab.
Um die jeweils beste Lösung zu finden, arbeiten wir mit einem Netzwerk professioneller Prozessbegleiter zusammen. Dazu zählen u.a. Nina Nisar, Sabine SoederMatthias zur Bonsen, Kirsten Brühl, Christine Wank, Stephan Rey, Jan Lachenmayer und  Barbara Heitger.

Veröffentlichungen zum Thema Methoden gesellschaftlichen Wandels: