23. März 2009

Eröffnungsveranstaltung

„Zukunftsforschung ist dann erfolgreich, wenn sich ihre Vorhersagen nicht erfüllen!“ Dr. Riel Miller, langjähriger Experte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und nun Geschäftsführer der in Paris ansässigen XperidoX Futures Consulting, blickte in das eine oder andere erstaunte Gesicht unter den mehr als 100 Zuhörern der Eröffnungsveranstaltung am 23. März in Frankfurt. Als Beispiel nannte der gebürtige Kanadier den Bericht des Club of Rome über die Grenzen des Wachstums aus dem Jahr 1972. Viele der Vorhersagen des Berichts hätten sich zwar am Ende nicht erfüllt, aber wichtige Akteure der Weltwirtschaft hätten unter dem Eindruck seiner Veröffentlichung und der damaligen Ölkrise ihr Bild von der Zukunft radikal überdacht und ihr Handeln konsequent verändert. Gute Zukunftsforschung könne letztlich dazu beitragen, schon heute und nicht erst in ferner Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.
 
Unternehmen, aber auch immer mehr Regierungen hätten längst erkannt, dass auch die beste Planung der Komplexität unserer Gesellschaften nicht mehr gewachsen sei. Stattdessen gelte es, Entwicklungen zu antizipieren und althergebrachte Lösungsroutinen kritisch zu hinterfragen, um frische Handlungsperspektiven zu eröffnen. Kreative und unabhängige Denkfabriken seien vor diesem Hintergrund von zentraler Bedeutung, denn sie könnten ohne zu große Rücksichten auf verankerte Interessen neue Themen aufgreifen und unvoreingenommene zu gesellschaftlichen Fragen forschen. Riel Miller betonte die Funktion des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt als Teil einer kollektiven Kapazität zur Antizipation zukünftiger Entwicklungen in und für Deutschland.
Zweiter Hauptredner des Abends war Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland. Mutig, selbstbewusst und mit einem Anspruch an das große Ganze, das sei der Ansatz und das Eigenverständnis des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt. Doch brauche es in Deutschland wirklich eine weitere Denkfabrik, die sich mit Themen wie Lebenszufriedenheit, Bildung, Wachstum und Gesundheit beschäftigt? Mark Speich, ehemaliger Leiter des Planungsstabs der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, schilderte ein paar persönliche Eindrücke aus dem Tagesgeschäft politischer Beratung. In den Büros der Abgeordneten und ihrer Mitarbeiter stapeln sich nicht selten die Studien, Analysen und Empfehlungen von Experten aus Stiftungen, Universitäten und Denkfabriken. Es gebe also nicht zu wenig Beratung, sondern eher Beratung im Überfluss. 
Allerdings breche sich diese wissenschaftliche Expertise fast immer an den politischen Realitäten, die nur in Ausnahmefällen in die jeweilige Analyse miteinbezogen würden. Technisch sauber, aber ohne wirklichen politischen Begründungszusammenhang und den notwendigen Realitätsbezug, das würde viele dieser Papierstapel auszeichnen. Genau hier liege die Chance für eine Initiative wie das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt. Deutschland und die deutsche Politik brauche nationale und internationale Expertise, die die Berührung mit der Politik nicht scheut, sondern sie geradezu sucht. Dabei unterliege der Informationsfluss und die Aufmerksamkeit im politischen Alltag ganz eigenen, manchmal sehr hektischen und kurzfristigen Gesetzmäßigkeiten. Das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt solle sich deshalb auf ein gleichberechtigtes Gespräch mit der Politik einlassen, um Freiräume für wirkliche politische Gestaltung und politische Führung zu eröffnen. 
Dr. Stefan Bergheim, der Gründer und Direktor des Zentrums erläuterte die Struktur der neuen Organisation und die geplanten inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungsarbeit. Zunächst betonte er, dass im Mittelpunkt der Arbeit der Fortschrittsbegriff der Aufklärung steht. Dieser Fortschritt ist nicht garantiert, sondern immer gefährdet. Energie und Ressourcen müssen auf die richtige Weise mobilisiert werden und ein immer größerer Konsens über das Ziel der Entwicklung herbeigeführt werden. Die Gründung des Zentrums mitten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten ist aus seiner Erfahrung der letzten Monate zeitlich ein Glücksfall und eine große Chance. Gerade jetzt stellen sich alte Muster, Methoden und Modelle als nicht mehr zeitgemäß heraus. Viele Menschen denken neu nach über Prioritäten und Ziele im Leben, in der Wirtschaft und in der Politik. Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit des Zentrums in den kommenden Monaten werden unter anderem Institutionen der Zukunftsforschung auf Ebene der Staaten und ein Fortschrittsindex sein.

Vielen Dank für die Unterstützung durch Charles Barker Corporate Communications und die Sportsman Media Group.
Stimmen zur Veranstaltung
„Es tat gut, nach langer Zeit mal wieder in einem Kreis mit Aufbruchstimmung zu sein.“ (Journalistin)
„Glückwünsche für die absolut gelungene Eröffnungsveranstaltung gestern Abend. Ich habe lange nicht mehr so schöne Gespräche geführt. Ihrem Institut ist wirklich nichts als Erfolg zu wünschen.“ (Organisationsentwickler)
„Es war wirklich ein munterer, ungewöhnlich ungezwungener und inhaltlich anregender Auftakt. Selten für solche Veranstaltungen.“ (Akteur Zivilgesellschaft)
„Beide Referenten haben einen starken Eindruck hinterlassen und klingen buchstäblich noch nach.“ (Leiter Kommunikation)
„Ich fand die Eröffnungsveranstaltung wirklich sehr interessant mit zwei sehr unterschiedlichen Vorträgen und einer Menge interessanter Gäste.“ (Finanzexperte)
„Nochmals Glückwunsch zur sehr gelungen Veranstaltung gestern Abend, hoffentlich sagen sich jetzt einige der möglichen Förderer „Yes, we can!““ (Forscher)
„Ich fand die Veranstaltung rundum gelungen. Das Event hat noch mehr Neugier geweckt auf das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt.“ (Leiterin Marketing)